2.Etappe von Aachen nach Rocheford (Belgien)

Nach einer nicht so gut verbrachten Vollmond-Nacht (kaum Schlaf und viel Lärm von der unten vorbeiführenden Straße) im allerdings preiswerten IBIS-Hotel für 55,- € im Doppelzimmer, frühstücken wir gegenüber beim Türken. Der ist zwar freundlich, aber seine Freundlichkeit grenzt ans Herbe. Müde lächelnd schiebt er immer wieder nach, um die hungrigen Mäuler mit Gebäck und Wurstsemmeln zu stopfen.

Außerdem ist das Wetter schlecht. Da kann zwar der Türke nichts dafür, schadet ihm aber trotzdem in meiner Beurteilung.

Es regnet und es ist für einen Juli-Morgen nicht gerade warm. Es ist zwar irgendwie klar, dass wir weiterfahren (ist ja erst der zweite Tag einer Mammuttour), aber es dauert trotzdem lange, bis wir loskommen.

Immer wieder sinken starke Regengüsse über Aachen herab und lassen unsere Motivation um 80 % fallen, einen Fahrradurlaub zu machen.

Gegen 11:45 Uhr geht´s aber dann doch los, nachdem Krischan in einer Apotheke und im dm-Markt sich noch mit diversen Mittelchen gegen Mineralverlust eindeckt.

Und schon gleich merken wir, dass die belgischen Ardennen nicht lange auf sich warten lassen.  Direkt hinter Aachen geht es steil bergauf. Ich will es vorwegnehmen: den ganzen Tag über fahren wir Berg und Tal, legen exakt 1270 Höhenmeter zurück. Das ist für passionierte Rennradfahrer sicher eher ein Klacks. Wir haben Trekkingräder, dickere Reifen also, dickere Bäuche sowieso und einen Haufen an Gewicht am Hinterrad. Und der Wind ist dieses Mal eher unser Feind denn unser Freund, da er vorwiegend von der Seite und von vorne weht.

Mühsam kämpfen wir uns die Anstiege hoch, freuen uns über die eine oder andere Abfahrt. Wir stellen fest, dass es aufgrund der irreführenden Beschilderung nicht einfach sein wird, Paris über den Stand der Sonne zu finden. Krischan kauft eine Karte, die aufgrund des mittäglichen Regens bald genau an der Stelle fast bis zur Unkenntlichkeit durchweicht ist, die wir gerade durchfahren.

Aber wir kommen weiter, Tritt für Tritt. Da wir die Anstiege in für den Körper verträglichen Dosen anpacken, kommen wir über eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 17 Km/h nicht hinaus. Aber egal.

Am Nachmittag wird das Wetter etwas besser. Es hört zumindest zu regnen auf. Gegen 17 Uhr fahren wir die Abfahrt in den Touristenort Dubuy. Wir haben Hunger und gehen essen. Wer in Belgien richtig günstig essen möchte, der muss lange suchen. Dafür hatten wir weder Kraft noch Zeit. Wenigstens schmecken die Penne Toskanne und der Salat Nizzarda.

Aber alle sprechen französisch. Ich verstehe fast gar nichts. Nicht mal meine Latein-Kenntnisse helfen gravierend weiter. Zum Glück kann wenigstens Krischan zwei oder drei Fragen stellen, wenngleich er mit den Antworten kaum etwas anzufangen weiß.

Nach dem Essen wollen wir noch 30 bis 40 Kilometer fahren. Um kurz vor 19 Uhr geht es weiter.

Wir landen plötzlich auf einer autobahnähnlichen  Schnellstraße. Was in Deutschland nie passieren würde, widerfährt uns jetzt: kein Mensch in den vorübereilenden Autos hupt. Sehr angenehm.

Der Wind lässt am Abend etwas nach. Wir passieren Marche und entscheiden, auch noch die 14 Kilometer nach Rocheford zu fahren.

Eine gute Entscheidung. Einerseits deshalb, weil Kilometer wichtig sind, andererseits wird das Wetter immer besser, obwohl es gegen 20 Uhr auch sehr kühl wird. Darüber hinaus finden wir eine tolle Unterkunft (Hotel Du Limbourg“), die günstig ist (65 € für´s Doppelzimmer plus Frühstück) und zudem nettes, freundliches Personal anzubieten hat..

Wir setzen uns noch ein wenig in den Gastraum, nachdem wir beide geduscht haben, ratschen noch ein bisschen und versuchen per Internet Kontakt mit Deutschland zu bekommen.

Morgen wollen wir früher los als heute, so dass Paris bei böigem Westwind und dem einen oder anderen Hügel für Mittwochabend doch ein greifbares Ziel bleibt.

 

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