3. Etappe: Von Rocheford (B) nach Reims (F)

Heute geht es von Rochefort los. Ziel ist die Stadt Reims, von der wir aus die Stadt Paris am Mittwoch ansteuern möchten.

Wir hoffen, dass die Berge im Gegensatz zu gestern ein wenig nachlassen. Ein komfortables Frühstück in unserem Lieblingshotel in Rochefort lässt uns gestärkt unsere gebeutelten Hinterteile auf das Velo hieven und los geht´s.

Denkste! Wo ist der richtige Weg. Erstmal fragen. Nach und nach bewegen wir uns in die richtige Richtung und merken bald, dass die belgischen Ardennen sich zu unserem Leidwesen in die französischen Ardennen verwandelt haben.

Am Morgen ist das Wetter zwar frisch aber immerhin  noch sonnig. Das soll sich bald ändern. Zuerst nach einigen kleineren Anstiegen noch durch relativ ebene Landschaft, hat der Spaß bald ein Ende.

Über Beauraing und Givet fahren wir nach Fumay. Dazwischen immer mit heftigen Bergfahrten, aber das Beste kommt noch. Zwischen Fumay und Rocroir geht es ca. 17 Kilometer nur bergauf. Es ist sehr kühl, nur 18 Grad und bewölkt. Zum Glück regnet es nicht, das wäre noch das Tüpfelchen auf`s i.

Die Landschaft erinnert stark an die des Bayerischen Waldes. Wir fahren durch Wald, der zum Teil enorm sturmgeschädigt ist. Eine lange und breite Schneise an Rodung lässt darauf schließen, dass hier möglicherweise mal eine Autobahn gebaut werden soll. Ich frage mich allerdings für wen. Von großem Trafic kann man hier nicht schreiben.

In Rocroir nehmen wir eine Aldiflasche zu uns, jeder zwei Liter, einen Teil in den Magen, den anderen in unsere Plastikflaschen, die an unseren Fahrradstangen montiert sind. Für alle  Fälle. Es könnte ja noch heiß werden.

Wir kommen nicht schnell voran, das lassen die Berge nicht zu. Aber das Wetter wird immer besser und die Aussentemperatur erreicht am Nachmittag bei etwas Sonnenschein schon über zwanzig Grad. Gut, dass wir an das Wasser gedacht haben.

Am Nachmittag geht es endlich etwas bergab auf die Stadt Rethel zu.  In den Bergen bin ich gut in Form aber jetzt läuft mir Krischan den Rang ab. Ich habe mich in den Bergen zu gut gefühlt und mich etwas verausgabt. Jetzt in der Sonne fehlt mir die Kraft.

In Rethel angekommen, wollen wir essen. Aber die Restaurants machen um 19 Uhr auf und da wollen wir schon wieder unterwegs sein. Wir entscheiden uns für einen türkischen Dönerladen, in dem es auch Pizza und Nudeln gibt, was das Studium der Karte rechts neben der Eingangstüre ergibt.

Eine Dame, die ich eher als Erzieherin in einem Kindergarten vermutet hätte, bedient uns überaus freundlich. Wir essen Salat und danach ein Nudelgericht, das uns beiden jedoch zuviel wird. Mit zu vollem Magen möchten wir die letzte Etappe nach Reims nicht angehen.

Gegen 19 Uhr 30 starten wir. Die Bedienung beim Türken erklärte uns auf Nachfrage – wir finden auf der Karte nur eine zweispurige Schnellstraße nach Reims – dass es durchaus erlaubt sei mit dem Fahrrad auf dem Seitenstreifen der Schnellstraße zu fahren.

Mit Erschütterung stellen wir nach zwei Kilometern fest, dass sich der Seitenstreifen in Luft auflöst und dass die Autos und LKWs sich mit Höchstgeschwindigkeit an uns vorbeischmiegen, was einem entspanntem Fahr(rad)gefühl extrem widerspricht. Tapfer jedoch treten wir weiter in die Pedale. Dass keiner der Vorbeifahrenden hupt, lässt uns schließen, dass wir nichts Illegales tun.

Nach ca. 20 Kilometern schaut Krischan in seinen Rückspiegel und erzählt, dass die Polizei mit Baulicht uns anhält, anzuhalten.

Wir erwarten das Schlimmste. Mindestens einen richtigen Anschiss oder sogar drei Punkte in Flensburg wegen unerlaubten Fahrradfahrens  über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf französischen Autobahnen.

Die beiden Herren erweisen sich aber als besonders freundliche Zeitgenossen und teilen uns mit, dass sie sich Sorgen machen, weil es zwar erlaubt ist auf dieser Straße Fahrrad zu fahren, aber halt auch extrem gefährlich. Der eine der beiden zieht eine Landkarte der Umgebung aus dem Auto und beschreibt uns einen Weg „über die Dörfer“, der uns auch schnell nach Reims führt.

Wir sind froh und halten uns an die polizeilichen Richtlinien. Der Wind lässt nach, es dämmert und wir erleben die abendliche Landschaft Frankreichs in einem neuen, gänzlich stressfreien Licht.

Es macht plötzlich richtig Spaß zu fahren. Auch ich, der in Rethel fasst zusammengebrochen wäre, schöpfe plötzlich aus neuen Kraftquellen.

Es wird allerdings sehr spät, bis wir bei Dunkelheit in einem Vorort von Reims (Betheny) ankommen. In großer Vorfreude auf unser Hotelbett, müssen wir allerdings mit der Enttäuschung leben, dass in diesem Ort die Bürgersteige längst hochgeklappt worden sind und wir uns einmal mehr auf das Rad schwingen und direkt nach Reims fahren müssen.

Im Zentrum angelangt finden wir nach längerem Suchen ein tolles Hotel, ruhige Lage und eine englisch sprechende Portiersfrau. Ich bin jetzt schon dankbar, ohne das Ergebnis unserer Unterredung zu kennen. So sicher bin ich, dass wir am Ziel angelangt sind. Leider muss die Dame mich enttäuschen.

Ob wir vorbestellt hätten? Ich verneine. Dann ginge da nichts mehr, sie wäre vollkommen ausgebucht. Aber ein paar Straßen weiter gäbe es eine Menge Hotels und Auberges. Sie erklärt mir den Weg und wir brechen dorthin auf.

Und wirklich, sie hatte recht. Der Straße entlang ein Hotel nach dem anderen. Mir fällt eines sofort ins Auge: „Low Cost Hotel“ Ich gehe hinein. Hinter einem etwas versteckten Tresen sitzt ein junger Mann. Jetzt geht alles ganz schnell. Was ich will, Doppel- oder Einzelzimmer, ein großes Bett oder zwei kleine einzelne.

In dem nun stattfindenden Entscheidungsprozeß werde ich gestört von einer jungen Dame, die unweit des Tresens an einem Tisch sitzt. Sie unterhält sich eigentlich mit einer anderen jungen Frau, wendet sich aber mir zu und erklärt mir, dass sie heute ganz gerne zu viert in einem Bett übernachten würde. Ob ich denn ein Doppelzimmer mit Doppelbett oder mit zwei Einzelbetten bestellt hätte.

Ich sage ihr etwas überrumpelt und auch schüchtern, wie wir Männer oft so sind, dass da kein Interesse bestünde, da unser Sex im Moment aus Sport bestünde.

Sie hat das auch gleich eingesehen.

Das Zimmer ist OK und wir gehen nach dem Duschen noch hinunter, um uns einen Wein und ein Bier auf der Straße vor dem Hotel zu genehmigen.

 

Für die Statistiker unter den Lesern.

Nach einem Fahrradtag mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 19, 8 km/h, einer Kilometerleistung von 183, 6 km und nach dem Zurücklegen von 1249 Höhenmetern haben wir uns das auch verdient.

 

Und nun bis morgen

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