2.Etappe von Budweis nach Telc

Irgendwie liegt dieses Jahr der Teufel im Detail. Aus technischen Gründen ist es mir bis heute nicht möglich gewesen, mehr Etappen in meinen Blog einzustellen. Aber ab jetzt sollte es jeden Tag mit einem neuen Eintrag klappen. Her also der zweite Tag auf der Strecke von Budweis nach Telc:

Wir finden Ruhe in unserem Dreibettzimmer und können ganz gut ausschlafen. Einzig Krischan beschwert sich bitterlich über die Mosquitos, die ihn während der Nacht

Unsere erste Übernachtung - Bundeswehrstube in Miniatur

Unsere erste Übernachtung – Bundeswehrstube in Miniatur

übermannten, nachdem er das Fenster geöffnet hatte. Oldo freut sich diebisch über seinen Bierkonsum am Vorabend, denn – und jetzt aufgemerkt und der tschechischen Weisheit Gehör geschenkt – Vitamin B, das im Bier in erhöhter Konzentration vorkommt, wird von den Mücken verabscheut.
Wir frühstücken das, was der Hausherr uns in den Kühlschrank gestellt hat: Schinken, Käse, Toast und Joghurt. Dazu ruft Oldo ins Schlafzimmer, was wir uns zum Trinken wünschen. Ich wusste bis dato gar nicht, dass seine hausmännischen Qualitäten so ausgeprägt sind.
Denn es gibt nicht nur Tee, sondern auch Kaffee. Wir nehmen den kulinarischen Morgengruß im Stehen ein. Ein Novum in all den Reisen, wenn ich mich recht erinnere.
Bis dann unsere Räder gepackt und fahrbereit sind, dazu noch mein Bedürfnis nach einer neuen Zahnbürste und unser aller Sehnsucht nach ausreichenden Getränkevorräten gestillt ist, verzögert sich unsere Abfahrt bis kurz vor zehn Uhr.

Unser Weg in Schlafzimmer ist von Bierfässern gepflastert

Unser Weg in Schlafzimmer ist von Bierfässern gepflastert

Als es endlich los geht zeigt die Temperaturanzeige auf unseren Tachos bereits über 35 Grad. Und schon die ersten Meter lassen auf den Kampf schließen, den wir heute zu bestreiten haben. Dazu kommt die Herausforderung eines gleich folgenden Anstieges von über 150 Höhenmeter. Dass wir uns nicht falsch verstehen: das ist keine 150 Meter lange Strecke. Da geht es kilometerweit bergauf. Jeder Baum, der womöglich Schatten spenden könnte, wird förmlich gesucht und unter der Bereitschaft, Umwege zu gehen, schlangenlinienmäßig gierig angefahren. Das sieht so aus, als ob wir schon am frühen Morgen besoffen sind, um jeden schattenspendenden Baum passieren zu können und deshalb die Straße ständig von rechts nach links kreuzen. In diesem Fall kann man uns also eigentlich geradezu als Straßenkreuzer bezeichnen mit dem dazu gehörigen Respekt, den die anderen Verkehrsteilnehmer uns entgegenbringen.

Kulturschock in Budweis

Kulturschock in Budweis

 

Ist das nicht schön! Budweis im Centrum

Ist das nicht schön! Budweis im Centrum

 

 

 

 

 

Da ich ausgeschlafen bin, macht mir das noch gar nicht so viel aus. Ich mag auch gerne Anstiege fahren. Sie fordern mich, trainieren mich und die Welt ist doch so gebaut, dass es irgendwann auch wieder bergab gehen muss. Und der Anstieg beinhaltet bereits die

Wenig essen, viel trinken. Die morgendlichen Vorbereitungen in Budweis auf die bevorstehende Hitzeschlacht

Wenig essen, viel trinken. Die morgendlichen Vorbereitungen in Budweis auf die bevorstehende Hitzeschlacht

Vorfreude auf die Abfahrt. Vor mir höre ich auf einer großen Wiese mit Kühen wildes Muhen. Es stellt sich heraus, dass meine euphorisierten Freunde in regen Kontakt mit den widerkäuenden Geschöpfen treten und ihnen ihre eigene Lebenslust und Freude an der Bewegung versuchen zu vermitteln. Deren Antwort-Muhen lässt darauf schließen, dass sie es bevorzugen, gemütlich weiter zu kauen und gar nicht daran zu denken, sich in irgendwelche körperlichen Anstrengungen zu begegnen. Möglicherweise werden wir sie im Laufe des Tages noch um ihren ruhigen Lebenswandel beneiden.
Denn: eins ist klar, und wird vom landeskundigen Oldo unterstrichen: wer sich entscheidet in Tschechien Fahrrad zu fahren, kommt definitiv um Berge nicht herum.
Gegen Mittag kommen wir nach Trebon. Wie sich herausstellt, eine wunderschöne Stadt, in dessen Stadtkern gerade Markt ist.

Eine wundervolle Stadt nach der anderen - hier Trebon

Eine wundervolle Stadt nach der anderen – hier Trebon

Ich bitte euch uns gerne zu schreiben, ob ihr den Film auch abspielen könnt zu Hause und ob es also Sinn macht, das mal zu wiederholen!) Wir verbleiben ein wenig dort, weil uns die Hitze schon sehr zu schaffen macht und Pausen immer gut tun.
Ich kaufe mir ein Eis, danach habe ich Lust auf etwas Saures. Ich hole mir Chips im Supermarkt, als ich mit Oldo Wasser für unsere Tanks kaufe. Die Menschen um uns herum wirken irgendwie statisch bei dieser Hitze bewegt man sich nur, um das Notwendigste zu verrichten. Selbst die beiden Kollegen, an deren Stand wie unsere Räder geparkt haben, ein Pärchen, das eine am Grill hergestellte trebonische Köstlichkeit

Jakub Krecin, der Erfinder der gleichnamigen Teiche im  südlichen Böhmen

Jakub Krecin, der Erfinder der gleichnamigen Teiche im südlichen Böhmen

verkauft, hat sich auf den Boden gesetzt, da sowieso kaum einer an dem heißen Gebäck Interesse zeigt. Aber immerhin gibt es in der Umgebung von Trebon viele kleine Seen, zu denen sich mutige Fahrradfahrer und Fußgänger hinbewegen, um sich vom Wasser ein wenig Kühlung zu holen.
Für uns ist es wirklich sehr schwer um 13 Uhr in der größten Hitze sich wieder auf die Räder zu schwingen. Aber wir haben ja Ziele. Es geht zunächst in relativ flacher Landschaft weiter, was bei 40 Grad im Schatten sich doch angenehm anfühlt. Aber es ändert sich bald. Unser von Oldo ausgegebenes Ziel für heute Abend ist Telc (sprich „teltsch), UNESCO Kulturerbe. Und ich bin gespannt, was wir dort zu sehen bekommen.
Aber vorher haben die Götter bekanntlich noch den Schweiß gesetzt. Mein Wasserverbrauch liegt ziemlich genau bei 2,0 Litern auf 40 Kilometer, was einem durchschnittlichen Verbrauch von 6 Litern auf 100 Kilometern entspricht. Es ist eine richtige Tor-Tour, die wie uns da aufgeladen haben.
Aber wir feuern uns gegenseitig an und die Aussicht, schon gegen 18 Uhr am Zielort zu sein, motiviert dann doch.

Fahren im Einklang

Fahren im Einklang

Da ich fast immer der Letzte in der Reihe bin, fällt mir plötzlich auf, dass Christian mitten während eines steilen Anstieges vom Rad abgestiegen ist. Da mache ich mir ein wenig Sorgen. Niemals würde er so etwas freiwillig tun. Da scheint etwas nicht in Ordnung zu sein. Sein geliebter Einkaufskorb, der seit Jahren auf unseren Reisen sein Gepäck befördert und seinen Gepäckträger ziert, ist im vom Träger gerutscht, weil sich Schrauben am Trägersystem des Fahrrades gelöst haben.

Eine gute Idee kaltes Wasser auf den Straßen von Trebon. Ich würde am liebsten den Tag hinter dem LKW herfahren

Eine gute Idee kaltes Wasser auf den Straßen von Trebon. Ich würde am liebsten den Tag hinter dem LKW herfahren

Ich stoppe, und während ich das Fahrrad halte versucht Krischan, seinen losen Einkaufskorb irgendwie provisorisch wieder am Rad zu befestigen. Leider kann er damit nicht mehr alles transportieren. Also nehme ich seinen 5 Kilo schweren Seesack noch auf mein Rad und verfluche alsdann den Tag, als ich meine erste Radreise vor zehn Jahren nicht nur beschlossen sondern auch umgesetzt habe.
Denn es folgen zwei Anhöhen mit zwölf Prozent. Ich versuche alles, um mein eigenes, und das nun höhere Gewicht auf meinem Gepäckträger nach oben zu bringen. Vergeblich. Und steige schließlich erschöpft vom Rad, um dieses zu schieben. Christian fährt zügig an mir vorbei. Am Ende erreichen wir Telc gemeinsam. Am Ortseingang erwartet uns bereits Oldo, der die ganze Zeit vorausfuhr und nichts von der Panne wusste.

Die Grabstätte der adligen tschechischen Familie Schwarzenberg

Die Grabstätte der adligen tschechischen Familie Schwarzenberg

Auch in Telc sorgt sich Oldo rührend um uns, findet sofort eine extrem günstige Unterkunft. Obwohl Telc Stadt des UNESCO Kulturerbes ist, sind die Zimmer sehr günstig. Jeder von uns bezahlt 13,- € ohne Frühstück. Am heutigen Tag fände noch ein Musikfestival statt, teilt uns unsere Vermieterin noch geflissentlich mit, ohne den Stolz auf ihre Stadt zu verbergen.
Sie ist sehr bemüht um uns und es stört sie auch gar nicht, dass immer wieder der eine oder andere von uns abwechselnd und praktisch nackt an ihr vorbeiläuft, um ganz schnell unter die Dusche zu kommen, um den Schweiß und das Salz vom heutigen Tag von der Haut zu spülen.
Wir sind hungrig und durstig, freuen uns nach über 100 Kilometern unter sengender Sonne auf das wohlverdiente kühle Bier und etwas zu essen.

Es kann sein, dass die Muskeln wirklich immer noch nicht warm sind.

Es kann sein, dass die Muskeln wirklich immer noch nicht warm sind.

Bei immer noch nicht gerade frostigen Temperaturen um die 30 Grad finden wir einen kleinen Biergarten im Innenhof einer Scheune, der mich an die österreichischen Heurigen erinnert.
Wir essen gut, trinken gerne und genießen die gemütliche Atmosphäre dort, lassen den Tag in ernsten und lustigen Gesprächen ausklingen. Auch der morgige Reisetag ist Thema. Bei der Hitze, wäre es toll, mal früh los zu kommen, um so lange wie möglich bei einigermaßen erträglichen Temperaturen unterwegs sein zu können. Unser kommendes Ziel heißt Brno, zu deutsch: Brünn.

Unser Zielort heute - Telc

Unser Zielort heute – Telc

Gegen 24:00 liegen wir in der Falle. Christian stellt sich denn Wecker auf 07:30 Uhr Mal sehen, ob es klappt mit dem frühen Abreisen.
Für die Statistikfans unter euch gebe ich euch am Ende der Etappenbeschreibung ein paar Tourdaten durch. Das habe ich gestern vergessen und hole ich hiermit nach:

1. Etappe: reine Fahrzeit: 6:15:18 h
Strecke: 120,11 km
Höhenmeter: 1143 m
2.Etappe: reine Fahrzeit: 6:11:55 h
Strecke: 115,66 km
Höhenmeter: 997 m

Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt immer bei ca. 19 Km/Stunde incl. aller Langsamfahrten durch Ortschaft über Kopfsteinpflaster, etc.

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Ein Kommentar zu 2.Etappe von Budweis nach Telc

  1. Sabine sagt:

    Hallo ihr strammen Radler,

    also hier im 2. Beitrag war kein Filmchen eingebaut … wo hätte das sein sollen?
    Macht weiter so, viel Spaß und liebe Grüße!
    Sabine

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