4.Etappe von Brünn nach Olmütz

Dass Oldo eine tolle Route für uns ausgesucht hat, darin besteht überhaupt kein Zweifel mehr. Tschechien ist wunderschön, egal ob in Böhmen oder Mähren. Schade eigentlich, dass er noch nie in Polen war. Denn da können wir uns dann nicht mehr so angenehm zurücklehnen, was die Planung der Fahrt betrifft.

Das Restaurant im Ergeschoss des Hotels in Brünn mit eigener Brauerei. Die Braukessel sind im hinter der Theke sichtbar.

Das Restaurant im Ergeschoss des Hotels in Brünn mit eigener Brauerei. Die Braukessel sind im hinter der Theke sichtbar.

Nur das Wetter hätte er anders bestellen sollen. Wir sind schon frustriert über die hohen Temperaturen. Es ist wirklich unbarmherzig heiß und es war bis jetzt jeden Tag noch ein bisschen wärmer als am Tag zuvor. Der Wetterbericht sagt, dass es ab dem Dienstag kühler werden soll. Jeden der vergangenen Tage hatten wir uns vorgenommen früher aufzustehen, um noch die etwas angenehmeren Temperaturen des Morgens zu nutzen. Und jeden Tag waren wir GENAU in den Tagesstunden unterwegs, wo es am heißesten war: zwischen 10 Uhr und 18 Uhr. Nicht mal am Abend kühlt es ab. Es ist und bleibt heiß.

Wir befinden uns auf geschichtlichem Terrain_hier fand die berühmte Schlacht von Austerlitz statt, die Napoleon noch attraktiver machte.

Wir befinden uns auf geschichtlichem Terrain_hier fand die berühmte Schlacht von Austerlitz statt, die Napoleon noch attraktiver machte.

In den Nachrichten im tschechischen Internet wird von fünf bis sieben Verrückten berichtet, die als einzige im ganzen Land tagsüber mit dem Fahrrad unterwegs sein sollen. Drei davon sind wir.

Doch heute stehen wir wenigstens schon mal früher auf, begeben uns in den kleinen aber feinen Frühstücksaal unseres nicht ganz so billigen Hotels. Wir bezahlen fast 40,- € pro Person und Nacht. Aber das Frühstück entspricht der Qualität und dem Preis des Hotels. Es gibt alles was das Herz begehrt: von Wurst über Käse, köstliches Brot, Müsli, Joghurt und verschiedene kalte und heiße Getränke. Wir frühstücken ausführlich. Danach holen wir an der Rezeption

Die Amis sind immer und überall - Freiheit für Tschechien.

Die Amis sind immer und überall – Freiheit für Tschechien.

unsere frisch gewaschene Wäsche ab. Dieselbe Dame wie am Abend zuvor überreicht sie uns in drei blütenweißen frischen Plastiktüten. Das ist wirklich sehr aufmerksam und kostet nicht einmal etwas.

Kurz nach acht Uhr morgens sitzen wir auf den Rädern und orientieren uns gen Osten und in Richtung Olmütz. Oldo erklärt uns, dass ein Freund von ihm zurzeit in Olmütz seinen Urlaub mit der Familie verbringt, und dass wir uns wohl  am Abend treffen werden. Aber zuvor müssen wir strampeln. Christian hat sehr dünne Reifen aufgezogen um besonders rasch vorankommen zu können. Auf diesem Trip jammert er nun schon seit Tagen, dass der Teer so weich ist, dass er immer wieder ein bisschen darin stecken bleibt bzw. ins Schlingern kommt.

Dieses Problem habe ich nicht, aber schon nach zwei Stunden ist der Asphalt so heiß, dass mit dem Wind aus Osten er immer wieder die Hitze auf mich zurückwirft. Es scheint fast

Landschaft in Mähren.

Landschaft in Mähren.

nicht machbar zu sein, hier eine solche sportliche Leistung abzurufen. Aber mit geistiger Arbeit, Meditation, geht es doch immer weiter. Der Glaube, dass es ab morgen kühler werden könnte, hilft noch dazu.

Und fast am Ende dieser Tortur kommt mir der Gedanke zur gegenwärtigen Diskussion und ich fände  es durchaus überlegenswert, die Fussballweltmeisterschaft 2022 in Katar doch im Sommer auszutragen. Das schaffen Sportprofis locker, bei 50 Grad guten Fussball zu spielen. Es ist, wie gesagt, lediglich eine Frage der Einstellung. Warum sollen wir

Wunderschöne Städte in Mähren - hier Vyskov.

Wunderschöne Städte in Mähren – hier Vyskov.

Sportinteressierte uns dann beim Public Viewing im winterlichen Deutschland in engen Kneipen drängen. Also gut bezahlte Fussballjungs: reißt euch zusammen für uns und spielt im Sommer für uns!!

Für uns geht der Kampf weiter. Gegen Mittag sind die Tanks wieder leer getrunken. Wie afrikanische Wasserbüffel sehnen wir uns nach der nächsten Tränke. Endlich kommen wir ausgepumpt in dem hübschen Städtchen Prostejov an. Endlich finden wir ein kleines Straßencafé, wo bereits eine Gruppe Jugendlicher und eine kleine Familie sitzen und sich Eis schleckend unterhalten. Wir gesellen uns dazu. Obwohl ich seit dem Frühstück vor über fünf Stunden nichts gegessen habe, verspüre ich weder Hunger noch Appetit auf irgendetwas zu essen. Ich bestelle mir also gleich Mineralwasser und weil die Flasche so klein ist, die die hübsche dunkelhaarige Bedienung mir bringt, gleich noch ein zweite und eine Tasse heißen grünen Tee dazu. Oldo schleckt zufrieden ein großes Eis.

Hauptplatz von Olmütz

Hauptplatz von Olmütz

Wir wollen weiter, aber sind so froh, ein paar Augenblicke der Hitze ein wenig ausweichen zu können, dass wir uns schwer aufraffen können, die Räder wieder zu besteigen. Der einzige Trost für uns: es müsste eigentlich die kürzeste Etappe bisher sein. Und wirklich: nach der Mittagspause kommen wir gut voran. Und schon gegen 15:00 h fahren wir in Olmütz ein, finden gleich den wundervollen Hauptplatz.

Ein wirklich schönes Gefühl ist das, mit guten Freunden ein gemeinsames Ziel erreicht zu

So sehen echte Kämpfer aus. Seit 4 Tagen Temperaturen um die 40 Grad im Schatten hinterlassen deutliche Spuren. Spenden für die Genesung nehmen wir gerne entgegen.

So sehen echte Kämpfer aus. Seit 4 Tagen Temperaturen um die 40 Grad im Schatten hinterlassen deutliche Spuren. Spenden für die Genesung nehmen wir gerne entgegen.

haben. Jeder hat irgendeinen komischen Spruch auf Lager und wir lachen herzhaft, als wir uns unter den schattigen Arkaden vor der Touristeninfo einfinden.

Unser Experte für slawische Sprachen erkundigt sich nach der Adresse des Hotels, das der Freund von Oldo bereits für uns reserviert hat. Wir stehen in dem klimatisierten Raum und ich bitte Oldo auch noch fragen, ob es ein Schwimmbad gibt. Zu meiner unbändigen Freude stellt sich heraus, dass Hotel und Aquapark nur zwei Radminuten auseinander liegen.

So schnell war ich in den vergangenen Tagen nicht auf dem Velo. Wir schlängeln uns durch die Altstadt und finden auf Anhieb den richtigen Weg. Vorbei am Hallen- und Freibad sowie am schmucken Stadion des tschechischen Erstligisten Sigma Olmütz zu unserem Hotel Garni, dass sich direkt hinter dem Stadion befindet.

Zuerst meint Oldo, nachdem er mit der freundlichen Dame an der Rezeption gesprochen

Blick auf die Altstadt von Olmütz 1

Blick auf die Altstadt von Olmütz 1

hat, dass wir die Räder ins Zimmer mit hinauf nehmen sollten. Ich frage: „in welches Stockwerk?“. Darauf meint Oldo: „in das Vierte“! Ich weigere mich spontan, und es begibt sich zum Glück sowieso so, dass nicht einmal ein Rad mit Besitzer in den Lift passt. Worauf die Kollegin an der Rezeption plötzlich einen Raum im Eingangsbereich aufschließt und wir die Räder ebenerdig einparken können.

Wir halten uns nur kurz im Hotel auf, checken das Zimmer und bewegen uns hurtig zum Schwimmbad. Im Freibad ist der Teufel los. Ich begebe mich in das  angrenzende Hallenbad, das ein richtiges Schwimmstadion ist, ausgestattet mit einer 50 Meter Bahn. Das Wasser ist mit seinen 27 Grad eigentlich warm, aber ich empfinde es wohltuend

Blick auf die Altstadt von Olmütz 2

Blick auf die Altstadt von Olmütz 2

erfrischend, als ich meinen geschundenen Körper ins Nass tauche. Es tut gut, einige Bahnen zu schwimmen, andere Muskeln anzuspannen, wieder andere zu entlasten.

Ich weiß ja nicht, ob ich unter Sehstörungen leide, aber als Christian in einiger Entfernung ins Wasser steigt und sich suchend nach Oldo und mir umblickt, sieht er aus wie der von  mir geschätzte Schauspieler Mathias Brand, ein Sohn von Willy Brand.

Um 17:30 Uhr ist das Badevergnügen auch schon wieder vorbei, denn wir haben eine Verabredung mit Petr, einem Freund von Oldo und dessen Familie. Wir treffen uns an einer Säule in der Altstadt mit Petr und gehen um zwei Blöcke, wo sich ein nettes Restaurace befindet, in dem Petrs Frau Marcella und sein Tomas schon auf uns warten.

Der Altstadtplan von Olmütz in Bronze auf dem tollen Hauptplatz.

Der Altstadtplan von Olmütz in Bronze auf dem tollen Hauptplatz.

Wir speisen vorzüglich, meine Kollegen wie immer Fleisch. Ich bestelle mir ein Portion Spaghetti mit Knoblauch und Peperoncino. Schmeckt lecker und füllt den leeren Kohlehydratspeicher wieder auf. Dazu ein bekömmliches Radler oder zwei.  Petr lebt in Neratovice, dem Heimatort von Oldo.  Vor fast 30 Jahren haben sich die beiden auf der Universität kennengelernt, als sie Maschinenbau in Prag studierten. Petr spricht hervorragend deutsch, er arbeitet für die Firma Siemens. Marcella kümmert sich um die gemeinsamen Kinder Tomas und die 19-jährige Tochter Verunka.

Endlich Kühlung im Schwimmbad von Olmütz - eine 50 Meter-Bahn zum entspannen der gestreßten Muskeln.

Endlich Kühlung im Schwimmbad von Olmütz – eine 50 Meter-Bahn zum entspannen der gestreßten Muskeln.

Es ist mittlerweile sehr schwül geworden und die Nachrichten aus Prag, die Oldo über sein Smartphone empfängt, sagen, dass eine Gewitterfront Tschechien überfällt, die sich von West nach Ost bewegt.

Es bleibt aber während des gesamten Abendessens sehr schwül, lediglich der Himmel wird von Wolken überzogen. Erst gegen 23 Uhr, als wir sowieso aufbrechen wollen, kommt Wind auf und es wird ein wenig kühler. Der für die Natur dringend erforderliche Regen will aber (noch) nicht

Oldo mit seinem Feund Petr

Oldo mit seinem Feund Petr

fallen.

Der Versuch, in der Nacht noch das W-Lan des Hotels zu nutzen schlägt wieder einmal fehl. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Netz oder mit meinem neuen Tablet. Das stresst mich schon sehr, habe ich doch meinen Lesern versprochen, jeden oder spätestens jeden zweiten Tag eine Etappe Lesestoff bereit zu stellen.

Marcella und Tomas

Marcella und Tomas

Müde fallen wir gegen 23:30 Uhr ins Bett. Da die morgige Etappe nach Polen nicht mehr durchstrukturiert ist und der Weg nach Krakau noch recht weit erscheint, legen wir fest, dass wir gegen 7 Uhr aufstehen.

Die Kunstuhr von Olomouce = Ölmütz

Die Kunstuhr von Olomouce = Ölmütz

Die Statistik:

4.Etappe:            reine Fahrzeit:    05:01:43 Stunden

                               Strecke:               90,07 Km

                               Höhenmeter:    819        

Dieser Beitrag wurde unter Radreise 2013_Tschechien und Polen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.