9. Etappe von Kuthná Hora nach Pisek

Genauso süß wie das Hotel sich uns insgesamt präsentiert hat, habe ich auch geschlafen. Wir gehen nacheinander brav ins Bad, die Zähne werden

Ist unser Nachtlager nicht wunderschön? Lädt ja eigentlich nicht nur zum Schlafen ein.

Ist unser Nachtlager nicht wunderschön? Lädt ja eigentlich nicht nur zum Schlafen ein.

geschrubbt, ehe es hinunter auf unsere tolle Terrasse geht, auf der wir nicht nur den gestrigen Tag haben ausklingen lassen, sondern auf der wir nun ein üppiges Frühstück einnehmen wollen. Schließlich haben wir wieder einen langen Reisetag in Richtung Pisek, unserer vorletzten Etappe vor uns. Im schnuggeligen Innenraum des Hotels steht schon ein Tisch mit Müsli, Ei, Joghurt und vielen anderen Köstlichkeiten bereit. Außer uns kommt noch ein Mann mittleren Alters dazu, der sich ebenso wie wir auf die am Morgen schattige Terrasse setzt.
Nein, nicht Thailand oder Italien. Kuthná Hora in Tschechien bietet dieses Ambiente.

Nein, nicht Thailand oder Italien. Kuthná Hora in Tschechien bietet dieses Ambiente.


Ich fühle mich sehr wohl und könnte mir vorstellen, in dieser Herberge sogar für einen längeren Urlaub, zumindest aber für ein paar Tage abzusteigen. Aber es hilft ja nichts. Gegen 08:15 Uhr (wir haben die schmucke Uhr des Kirchturms vom Frühstückstisch aus fest im Blick), geht es zur Abstellgarage, wo unsere Fahrräder dicht aneinander gedrängt eine kuschelige Nacht zusammen verbringen konnten. Die Herrin des Hauses sperrt uns auf und wir schieben die Räder auf das gepflasterte Geläuf vor dem Hotel. Wir orientieren uns sofort nach Südwesten und kommen noch einmal an der imposanten Kirche des Ortes vorbei, die aussieht wie Burg Hogwart, die Zaubererschule aus Harry Potter. Danach weiter durch den Ort und am Ende wieder steil nach oben.
Fantasy pur - oder doch echt? Burg Hogwart mitten in Tschechien, leider trafen wir Harry nicht an. Er war grade in den Ferien.

Fantasy pur – oder doch echt? Burg Hogwart mitten in Tschechien, leider trafen wir Harry nicht an. Er war grade in den Ferien.

Schon wieder sind all unsere Kräfte gefragt, auch die Sonne fordert wieder alles von uns. Ich habe die Befürchtung, dass wir von einer Ausgangshöhe von heute 270 Meter noch insgesamt auf eine Höhe von 670 Meter im Laufe der kommenden zwei Tage steigen müssen. Mit vielen Anstiegen und Abfahrten dazwischen eine Distanz von über 2000 Höhenmetern.

Die Polizei hat hier ein eigenes Zentrum, quasi einen Wohnort. Es deutet hier auch nichts auf Kriminalität und Verbrechen hin. Alles friedlich.

Die Polizei hat hier ein eigenes Zentrum, quasi einen Wohnort. Es deutet hier auch nichts auf Kriminalität und Verbrechen hin. Alles friedlich.

Wundervolle Landschaften hier. Ein Traum, um Urlaub zu geniessen, wenn man gerne wandert oder Fahrrad fährt.

Wundervolle Landschaften hier. Ein Traum, um Urlaub zu geniessen, wenn man gerne wandert oder Fahrrad fährt.


Gegen Ende unserer Reisen haben Christian und ich schon meistens wieder begonnen, die nächste Fahrt im kommenden Jahr ins Visier zu nehmen. So auch dieses Mal. Oldo hat sich schon geäußert. Ihm hat es bis jetzt so gut gefallen, dass er – vorausgesetzt wir möchten ihn wieder dabei haben – auch 2014 wieder mitfahren möchte. Für uns ist das eine Freude, hat es doch in unserer Dreier-Runde bis heute enorm viel Spaß gemacht.
Ein echter Geheimtipp: TSCHECHIEN!!!!

Ein echter Geheimtipp: TSCHECHIEN!!!!

Lagebesprechung mit einem Ureinwohner. Dieses Jahr gestaltet sich dies denkbar einfach.

Lagebesprechung mit einem Ureinwohner. Dieses Jahr gestaltet sich dies denkbar einfach.


Vor vielen Jahren hat sich Christian mir gegenüber schon über seinen Traum geäußert: in dem Jahr, in dem er 50 Jahre alt wird – ja, in diesem Jahr möchte er mit dem Fahrrad von Dachau aus zum Nordkap nach Norwegen radeln. Eine Strecke von ca. 4000 Kilometer. Ich habe ihm immer gesagt, dass ich mir so lange für diese Tour nicht Zeit nehmen möchte.

Nun ist es allerdings im kommenden Jahr soweit: 2014 feiert Chris seinen 50-sten. Und er hat seine Vision mit den Jahren selbstverständlich nicht vergessen. So ergeben sich nun einige Planungsalternativen. Als Lehrer hat er die Möglichkeit, sechs Wochen Sommerferien zu nutzen um sein hochgestecktes Ziel zu erreichen. Wir könnten ihn z.B. 10 Tage durch Deutschland von Bayern bis zur Ostsee begleiten. Oder, quasi als Training für die Sommerreise: einen 7 bis 10 Tage Radreisetrip in den Pfingstferien. Ich würde gerne einmal einen weiteren Teil Deutschlands erkunden. Bayern zum Beispiel, oder die Rhein-Main-Gegend. Da gäbe es viele interessante Bereiche. Oder mal in Richtung Santiago di Compostella, den Jakobspilgerweg nach Spanien mit dem Rad bewältigen. Aber noch ist ja ein bisschen Zeit, um ein Gefühl für den richtigen Weg und das beste Ziel 2014 zu bekommen. Momentan kämpfen wir uns durch den heißen Sommer Tschechiens.

Wo  geht´s hin Jungs? Auf in den Kampf oder zum Liebe machen?

Wo geht´s hin Jungs? Auf in den Kampf oder zum Liebe machen?

Unser jederzeit fröhlicher Begleiter, eine Freude in ihm einen Freund zu haben!

Unser jederzeit fröhlicher Begleiter, eine Freude in ihm einen Freund zu haben!


Es war, soviel kann ich heute zu 2013 schon sagen, wohl der intensivste Trip in all den Jahren, was die körperlichen Belastungen betrifft. Die wirklich extreme Hitze und die enormen Steigungen haben uns bis heute alles abverlangt. Und auch auf unserer Etappe nach Pisek ist das nicht anders. Die Sonne brennt, die Steigungen belasten Muskeln und Sehnen.

Die Landschaften bezaubern uns trotz alledem einmal mehr. In Tschechien wird im Gegensatz zum deutschen bäuerlichen Wahnsinn kaum Mais angebaut. Goldgelbe Weizenfelder zieren den Wegesrand. Manchmal kommt uns ein schattiges Waldstück entgegen und lässt uns ein wenig abkühlen. Die tschechischen Dörfer sind von faszinierender Schönheit. Mal alt und geschichtsträchtig, mal neu mit herrlich bepinselten, bunten Häuserfassaden. Es herrscht wenig Verkehr auf den Straßen, so dass Fahrrad fahren einfach Freude bereitet. Das Auf und Ab hält an und kurz nach Mittag erreichen wir die schöne Stadt Tabor. Das vor lauter Salz vom Schwitzen geweißte ehemals rote Radshirt von Krischan verlangt nach einer Abkühlung in Form von Getränken. Wir treffen uns am Eingang der Stadt, die beiden müssen mal wieder ein, zwei Minuten auf mich warten. Wir entscheiden, ins Zentrum zu radeln, um ausgiebig zu essen und zu trinken.

Unsere Raststadt mittags bei sengender Sonne. Hier gibt´s Pizza und ein Nickerchen - für den einen oder anderen.

Unsere Raststadt mittags bei sengender Sonne. Hier gibt´s Pizza und ein Nickerchen – für den einen oder anderen.

Jedes Städtchen eine pittoreskes Schmuckstück, nicht wahr!?

Jedes Städtchen eine pittoreskes Schmuckstück, nicht wahr!?


Die Stadt ist eine Wucht in Dosen. Tolle restaurierte Gebäude, in der Mitte des Stadtplatzes ein Brunnen. Leider ist das Wasser von Vögeln dermaßen verunreinigt, dass mein erster Impuls, meinen Körper damit zu erfrischen, jäh gebremst wird.
Gegenüber vom Brunnen befindet sich eine im Schatten gelegene Pizzeria und wir steuern sie sofort an, schieben unsere Räder hinunter. Es gibt dort wirklich leckeres Essen. Für mich diesmal Pizza aus dem Holzofen und Getränke, Getränke, Getränke. Natürlich keinen Alkohol, wir haben noch einiges vor am Nachmittag.
Romantisches Städtchen zum Rasten und Auffüllen der Tanks.

Romantisches Städtchen zum Rasten und Auffüllen der Tanks.

Chris entschuldigt sich plötzlich und macht ein 15-minütiges Nickerchen am Tisch. Oldo und ich unterhalten uns, lachen viel. Schließlich müssen wir unsere müden Knochen wieder aufraffen. Es geht weiter. Und zwar gleich mit einer anständigen 21%-igen Steigung. Die Vorausschau der Bedienung in unserem Restaurant, was die Steigungen im kommenden Streckenabschnitt betrifft, verheißt nichts Gutes. Aber wider Erwarten kommt alles gar nicht so schlimm. Es geht gut voran und wir nähern uns Pisek. Oldo sagt, dass es vor der Stadt ein paar Kilometer bergab geht. Vorher halte ich an einer Tankstelle und kaufe mir kalte und süße Getränke. Aber die Limo tut nicht so gut wie sie schmeckt. Jedoch die Lust auf Kohlenhydrate lässt mich zu Zuckerhaltigem greifen. Auf der Strecke treffe ich Christian, der ebenfalls an einer Raststätte noch etwas zu sich nehmen möchte. Oldo ist weit voraus und wir verabreden uns im Zentrum von Pisek. Nun, es geht wirklich ordentlich runter in die Stadt, es macht Spaß, das zu fahren. Ich orientiere mich an den Hinweisschildern, die ins Zentrum führen.

Abendliche Stimmung im Zielort Pisek.

Abendliche Stimmung im Zielort Pisek.

Pisek am Abend - der Blick von unserem Hotel aus die Straße hinunter.

Pisek am Abend – der Blick von unserem Hotel aus die Straße hinunter.


Leider finde ich die beiden nicht auf Anhieb. Ich gelange in einen etwas düster anmutenden Park, gesäumt von vielen Bäumen, einigen Skulpturen und Kneipen, auf deren Terrassenbereichen sich eine Menge Menschen aufhalten. Aber meine Freunde sind weit und breit nicht zu sehen. Erst ein Telefonat gibt mir einen etwaigen Eindruck, wo sich die beiden aufhalten. Ich setze meinen inneren Kompass in Betrieb und begebe mich in die anvisierte Richtung. Und kaum ein paar Minuten später begegnet mir Oldo. Krischan kommt auch gleich nach. Wir befinden uns auf dem offensichtlichen Hauptplatz Piseks. Hier findet aber kein Leben statt. Wir gehen in eine Gasse und steuern das Hotel auf der rechten Seite an. Oldo und Chris gehen ins Innere während ich erschöpft draußen auf einen Stuhl einer Holzterrasse falle und auf Ergebnisse warte.
Die beiden berichten, dass das Zimmer nicht nur schön sondern auch bezahlbar sei. Wir entscheiden uns, gleich hier und jetzt einzuchecken.

Nach Mani- und Pediküre finden wir uns im hoteleigenen Restaurant ein. Das etwas schleppend vonstatten gehende Bedienen macht unseren Hunger und Durst nicht kleiner. Aber schließlich entschließt sich der Koch gutmütigerweise, uns noch mit Essbarem zu versorgen. Ich esse köstliche Spaghetti. Oldo ist wenig begeistert vom Bier. Es schmeckt wirklich etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich sind wir sehr müde. Zu müde, um noch in die Stadt nach etwas anderem Ausschau zu halten, um noch an ein wahrlich süffiges Bier zu gelangen.

Morgen steht die letzte Etappe unserer Reise an. Und zur Vorbereitung begeben wir uns gegen 24:00 Uhr in die Falle.

Die Statistik: reine Fahrzeit: 07:51:06 h
Strecke: 138, 31 km
Höhenmeter: 1860 m

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