10.Etappe von Pisek zurück nach Velhartice

Völlig ausgeruht stehen wir wach im sonnendurchfluteten Zimmer. Die Morgensonne war schon gegen 07:00 Uhr längst über das Dach des gegenüberliegenden Hauses geklettert und hat uns mit ihren warmen Strahlen sanft geweckt.

Die  Morgensonne mit ihrer geradezu aggressiven Wärme weckt uns schon früh.

Die Morgensonne mit ihrer geradezu aggressiven Wärme weckt uns schon früh.

Nach der Morgentoilette gehen wir runter zum Frühstücken. Der Frühstückssaal ist übervölkert mit Japanern. Natürlich auf der Durchreise. Das Frühstück mundet vorzüglich, es ein breites Spektrum an Wahlmöglichkeiten vorhanden.

Pisek am Morgen. Wir brechen auf zur letzten Etappe.

Pisek am Morgen. Wir brechen auf zur letzten Etappe.

Unser Freund von Autogrammjägern umringt. Wir können ihn gerade noch loseisen von seinen Groupies.

Unser Freund von Autogrammjägern umringt. Wir können ihn gerade noch loseisen von seinen Groupies.


Nach dem Auschecken fahren wir noch kurz durchs Zentrum, halten an einem Infopoint. Oldo möchte sich noch über den besten Radweg in Richtung Velhartice kundig machen. Wir fahren den Flussradweg aus der Stadt und bleiben zunächst auch am Wasser. Allerdings stellt sich heraus, dass der Radweg immer wieder abwechselnd vom Fluss weg- und dann wieder hinführt. Wir sind ungeduldig und sehnen uns nach Velhartice.
Wie sie alle heißen, die Hitler, Husseins oder Putins in dieser Welt. Ihr sonnengottgleiches Gehabe ist sowieso nur auf Sand gebaut.

Wie sie alle heißen, die Hitler, Husseins oder Putins in dieser Welt. Ihr sonnengottgleiches Gehabe ist sowieso nur auf Sand gebaut.

Kunst zu Wasser zu Lande und in der Luft - das alles in Tschechien.

Kunst zu Wasser zu Lande und in der Luft – das alles in Tschechien.


Da auch hier die Straßen kaum von Autos befahren sind, bleiben wir fortan auf der Landstraße. Ich erwarte extreme Steigungen, aber nichts passiert. Die letzte Etappe verläuft geradezu sanft im Gegensatz zu den Torturen der vergangenen Woche.
Pisek - Romantik in direktem Kontakt mit Moderne.

Pisek – Romantik in direktem Kontakt mit Moderne.

Verankerter Glaube in einem ehemals kommunistischem Land.

Verankerter Glaube in einem ehemals kommunistischem Land.


Geschätzt haben wir heute noch ca. 90 Kilometer zurückzulegen. Es geht gut voran und plötzlich erkennen wir bekannte Landschaften. Zunächst ist es die Otawa, dann die Ostruzná, die vor meinem Antlitz erscheinen. Die Ostruzná, der kleine Fluss, der uns die ersten Kilometer auf unserem Trip schon begleitet hat. Meine geliebte Brombeere.
Impressionen aus Böhmen.

Impressionen aus Böhmen.

Golfbana. Muss ich zu diesem Spiel, dass außer in  Deutschland anscheinend in ganz Europa mit diesen überdimensionalen Bällen gespielt wird, noch ein Wort verlieren????

Golfbana. Muss ich zu diesem Spiel, dass außer in Deutschland anscheinend in ganz Europa mit diesen überdimensionalen Bällen gespielt wird, noch ein Wort verlieren????


In Susice machen wir einen letzten Halt um uns an einer Tankstelle mit Kräuterkola („Kofola“) zu stärken. Dann geht es den letzten Abschnitt hinauf nach Velhartice. Teilweise in der Sonne, teilweise durch schattige und kühle Wälder. Schneller als ich es erwartet habe, erscheinen die ersten Häuser von Velhartice vor meinen Augen. Wir sind irgendwie erleichtert. Es ist schön, wieder anzukommen. Oldo fährt voraus, denn er möchte uns die versprochene Kneipe nicht vorenthalten. Sie stellt sich als beliebtes und belebtes Ausflugsziel an diesem Sonntagnachmittag für Radler und Motorradler heraus. Gegen 15 Uhr sind fast alle Plätze in dem gemütlichen Innenhof besetzt.
Heimat in Sicht - mein geliebter Brombeerfluss, der uns nach Velhartice führen wird.

Heimat in Sicht – mein geliebter Brombeerfluss, der uns nach Velhartice führen wird.

Das SIND böhmische Dörfer!

Das SIND böhmische Dörfer!


Wir finden allerdings noch eine freie Bank unter einem Sonnenschirm. Leider hat die Küche nur noch begrenzte Kapazitäten an lukullischen Vorräten, so dass wir uns mit wenig Auswahl zufrieden geben müssen. Das ist gar nicht weiter schlimm. Ich bin froh am Ziel unserer Reise zu sein und geniesse ein nicht all zu üppiges Mahl, eine Putenschnitzel gegrillt mit Kartoffeln.
Sieht so ein Mann aus, der in einer Woche bei 40 Grad Hitze 1000 Fahrradkilometer zurückgelegt hat.....???

Sieht so ein Mann aus, der in einer Woche bei 40 Grad Hitze 1000 Fahrradkilometer zurückgelegt hat…..???

.....ja, das ist der Mann, der all dies getan hat mit dem Blick auf diese Option!!

…..ja, das ist der Mann, der all dies getan hat mit dem Blick auf diese Option!!


Ein Freund von Oldo kommt zu uns an den Tisch. Er lädt uns für den frühen Abend noch zum Grillen ein. Ich lehne dankend ab. Wie so oft auf meinen Reisen mit Christian trennen sich am Ende unsere Wege. Ich fahre mit dem Auto von Christian nach Hause. Krischan besucht mit dem Rad noch einen Freund irgendwo in Niederbayern und hat vor, im Laufe des Dienstags zu Hause anzukommen. Zwei Tage später fliegt er mit seiner Familie für vier Wochen nach Australien, da möchte er sich vorher noch mal richtig auspowern.
Wir hätten es natürlich auch schöner haben können. Reisen mit Motorunterstützung.

Wir hätten es natürlich auch schöner haben können. Reisen mit Motorunterstützung.


In guter Stimmung bezahlen wir und brechen auf zum Haus von Oldo. Überrascht stellen wir fest, dass sich über unserem Sonnenschirm auf der Terrasse des Lokals die Sonne den Rückzug angetreten hat. Grau schimmernde Wolken begleiten uns. Es ist diesig und schwül geworden.

Vor dem Haus machen wir noch ein paar Abschiedsfotos mit dem Selbstauslöser und flachsen noch ein wenig herum. Innerhalb von Minuten frischt der Wind auf und ein Unwetter zieht auf. Ich bringe gerade noch meine Sachen und Fahrrad im Krischans Auto unter, als es auch schon lostobt. Ich springe rein und verabschiede mich rasch von meinen Freunden. Die ersten 20 Minuten auf der Heimfahrt durch den Böhmerwald habe ich mit Starkregen und vielen Ästen und Zweigen auf den Straßen zu kämpfen.

Abschiedsfoto am Sonntagnachmittag in Velhartice: geschafft aber glücklich.

Abschiedsfoto am Sonntagnachmittag in Velhartice: geschafft aber glücklich.


Als ich allerdings die deutsche Grenze erreiche, schimmert die Sonne schon wieder vom Abendhimmel. In Deggendorf mache ich Pause, betanke mein Auto und esse noch etwas, ehe ich dann am Abend wohlbehalten zu Hause ankomme.
Eine Reise mit extremen körperlichen Belastungen ist zu Ende gegangen. Es war wundervoll die Tage mit meinen Freunden zu verbringen, die körperlichen Herausforderungen anzunehmen und sich gegenseitig Mut zu machen, einfach auch in Zeiten der Erschöpfung weiter zu machen.

Ich freue mich also schon heute auf unsere nächste Reise in 2014, auf der hoffentlich auch unser tschechischer Freund Oldino wieder an Board ist.

Wenn es nicht so viele Höhenmeter werden und es nicht ganz so heiß ist in 2014, ist das aber vollkommen ok. Ich bin gespannt, wohin uns die Reise dann führt.

Für die Statistiker: reine Fahrzeit: 04:17:42 h
Strecke: 80,91 km
Höhenmeter: 716

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